Früh morgens in einem eleganten Cafe. Sie nimmt ein Fitnessfrühstück ein, während er an den Tisch tritt.
CCW: Guten Morgen Frau „Vorsitzende“. Ich bin ja ein wenig irritiert über die Art und Weise, wie dieses Treffen zustandekam. Normalerweise lasse ich mich ja nicht so einfach irgendwohin“zitieren“! Aber wir sind ja alte Freunde (grinst).
AMG: Halt einfach die Klappe (grinst ebenfalls). Das Treffen war überfällig, duldete keinen Aufschub. Du weist, warum!
CWW: Habe keinen blassen Schimmer!
AMG: Weil du um 16:00 zurücktreten wirst. Es ist alles vorbereitet. Hier ist deine Erklärung (reicht ihm ein beschriebenes Blatt Papier rüber).
CWW: Einen Moment mal. Das geht auf keinen Fall. Das könnt ihr so nicht mit mir machen. Ich bin ein richtiges Staatsorgan.
AMG: Eine Pappnase bist du. Du trittst zurück. Und wenn wir dich dazu zwingen müssen. Die ganze Geschichte hat mich schon genug Image gekostet. Meine Werte sinken, obwohl mein Blutdruck steigt. Das ist überhaupt nicht gesund.
CWW: Ich weigere mich. Ich kann gar nicht entlassen werden. Dieser Fall ist in der Verfassung überhaupt nicht vorgesehen.
AMG: Jetzt pass mal auf! Ich habe dich in dieses Amt gebracht. Und ich schmeiss dich da auch wieder raus. Du hast dieses Amt bekommen, weil mir klar war, dass du nie das Zeug haben würdest, dieses Land zu regieren, jedoch ruhig gestellt und versorgt sein musstest. Dass du aber auch in dieser Repräsentationsfunktion als Frühstücksdirektor versagen würdest, war ja nicht vorhersehbar. Obwohl – wenn ich deinen Lebenslauf Revue passieren lasse.. deine Herkunft, deine Freunde, deine Komplekse, dann…
CWW: Jetzt wirst du unfair. Ich werde meiner Rolle absolut gerecht. Ausserdem hast du mir verboten, mich politisch einzumischen! Da bleibt nicht viel übrig. Aber das mache ich gut! Diese Harmonie bei den modernen Weihnachtsansprachen, dann das gemeinsame Sternsingen, das hättest du erleben müssen, das hat Kultcharakter. Dieser Zirkus derzeit – das ist doch alles ein Schaumfechten. Das legt sich doch in ein paar Tagen. Nein, ich werde nicht abtreten.
AMG: Papperlapapp! Wie kann man so bescheuert sein, Drohungen auf die Mailbox eines Chefredakteurs zu sprechen. Für Transparenz predigen, aber dann die Veröffentlichung öffentlich ablehnen. Wir haben den Mitschnitt ja auch. Und wir haben ihn analysiert. Alles heisse Luft von Dir. Du hast dem Verlag den Krieg erklärt. Das ist unwirksam, weil dafür eine Zweidrittelmehrheit des Parlaments notwendig wäre, die selbst ich derzeit nicht hätte, und diese Mehrheit zuvor noch unsere Verfassung ändern müßte. Dann verunglimpfst du im Zusammenhang mit deiner Nahostreise meinen Aussenminister Westerwald, du seiest der bessere Vertreter, denn er könne „seiner Rolle“ in diesem Gebiet nicht gerecht werden, weil er rot werde, wenn in seiner Anwesenheit Schwule hingerichtet werden und er dazu aus globalstrategischen Erwägungen schweigen, stattdessen die Demokratiebemühungen der Machthaber loben müsse. Ja welcher Rolle denn?
Nicht einmal da zeigst du die Würde, die deines Amtes angemessen wäre. Und dann dieses Interview. Welcher Hohe Amtsträger würde sich nach seinem Privatdarlehen befragen lassen oder Details über seine Urlaubsreisen vor der Kamera klein beigeben. Und das ganze hört nicht auf. Anonyme Schecks, Pretaporter für die Gattin, schon mal was von Ehre und Ansehen gehört? Das Amt ist beschädigt, und da hänge ich mit drin. Du trittst zurück!
CWW: Werde ich nicht.
AMG: Wirst du! Obwohl mir das ganze zuwider ist. Wenn ich daran denke, dass wir nun einen Kandidaten finden müssen, den alle Parteien mitwählen sollen, damit ich die volle Legiskraturperiode durchstehe! Da bleiben nicht viele, die das Volk bedenkenlos mitträgt. Dieter Hohlen vielleicht oder Kaiser Franz. Aber das wäre selbst mir zu seicht! Wenn es nach mir und darum ginge, meine Position abzusichern, dann würde ich jetzt die Zensursula nehmen. Aber die ist nicht zu steuern! Oder den Dr. Abstäuble. Obwohl! Den brauche ich noch als Sündenbock, falls meine EU-Finanzpolitik scheitert. Ausserdem kann der fremde und eigene Gelder auch nicht auseinanderhalten..) Wer bleibt? Den Plapperhofer von der Schwesterpartei? Aber dann bricht die ganz ein, denn Klamaukweiler käme zu spät, und selbst den von und zu Gartenzwerg können die sich nicht ein zweites Mal leisten. Und dann müssten wir unsere Partei auf Bayern ausdehnen, das erscheint mir kompliziert. Wer bliebe noch?
CWW: Was ist mit den Freien Liberalen? Den populären Weinfestorganisator Schlürferle vielleicht oder die Leutseelige-Schnarchenberger?
AMG: Nein nein nein, die braucht die Partei selbst, sonst schaffen die die Fünfprozenthürde nicht wieder. Das kann ich mir nicht leisten. Wir nehmen jemand von den Grünen, die brauchen wir eventuell nach den nächsten Wahlen. So einfach ist das. Wo waren wir stehengeblieben? Ach so – du trittst jetzt sofort zurück.
CWW: Nein!
AMG: Du pass auf. Zwinge uns nicht, ein Impietschmentverfahren einzuleiten. Auch dafür ist übrigens alles vorbereitet. Sieh mal hier (zeigt ihm ein anderes Blatt Papier. Er liest.) Aber wir wollen dieses „Schmutzwäschewaschen“ nicht. Und dann wird auch noch publik, dass du den Freunden, die dir den Urlaub ermöglicht haben, nicht einmal Geschenke mitgebracht hattest, obwohl du die als „dienstlichen Aufwand“ hättest steuerlich absetzen können. Einfach widerlich! Du bist fertig.
CWW: Also wenn das passiert, dann springst du mit über die Klinge. Deine „Wende“ habe ich vorsichtshalber dokumentieren lassen. Gestern Propaganda bei der FJD, einen Moment später überzeugte Demokratin, da lachen ja die Hühner.
AMG: Kommt ein bisschen spät (grinst). In Kürze erscheint doch die Biographie über „meine Befreiung der sogenannten DDR“ (grinst). Und danach im Sommer werde ich zur UN-Vorsitzenden ernannt werden, das ist bereits abgesprochen mit Olala und Sarkassy. Nach dem dann „überraschenden“ (grinst) Unfall von Yankee-Blumun… Aber zurück zu dir. Erkenne einfach, dass dieses Amt eine Nummer zu gross für dich war. Du musst das Intrigieren einfach noch lernen. Und wir wissen auch, wo!
CWW: Ich verstehe nur Bahnhof.
AMG: Bahnhof Grosshundwedel, was? (grinst) Pass auf. Da gibt es eine kleine Gruppe von „Verrückten“, die sich darin beinahe täglich üben. Mit Kriegsspielsimulation oder so. Da trittst du ein und bewährst dich und darfst dann wiederkommen.
CWW: Das meinst du nicht im Ernst!
AMG: Mein voller Ernst. Wir haben die Gruppe beobachten lassen, aus präventiven Gründen versteht sich. Keinerlei Bedenken. Elitäre Inzucht zwar, aber gesellschaftlich trotzdem nützlich. Jedenfalls aus „höherer politischer Sicht“. Also kurz zusammengefasst: Die spielen ganz grob den ersten Weltkrieg auf dem Papier nach, aber ohne Würfel oder ohne Monopolygeld. Sie schieben militärische Einheiten per email durch die Gegend, verabreden sich, überfallen gemeinsam andere Länder, freuen sich ganz tierisch, wenn sie eine Provinz erobert haben, und werden sentimental und weinerlich, wenn sie eine Provinz verlieren. Und sobald einer zu gewinnen droht, wechseln sie die Fronten. Keiner gönnt dem anderen was. Wie im richtigen Leben. Alles geht über Verhandlungen über das Internet, und manchmal musst du ein Schwein sein, um zu gewinnen. Da kannst du lernen zu integrieren, aber auch zu intrigieren! Und statt Cocktailparties in teuren Hotels gibt es gelegentliche Treffs in Juhes, „Cons“ nennen die das. Da werden, militärisch zünftig, so wie bei uns bei der GTO damals, einige Runden gespielt, unter Anleitung von Trainern, und am Ende bekommt einer einen Preis, meist eine Flasche Wein. Die musst du nicht einmal als Geschenk deklarieren. Und abends spielen sie Werwolf. Und manche bringen Bier mit. Durchschnittsalter zwar studentisch bis zum ersten Kind, aber dein Alter geht gerade noch (kneift ihm in die Backe). Also da machst du mit, und wenn du sogenannter „A“-Spieler bist, dann sprich auf meine Mailbox, aber höflich, und dann sehen wir weiter, was wir tun können. Du wendest dich einfach an den Vorsitzenden, der heisst „Dirk“, der macht die Facecontrol. Hier ist die Website (reicht einen Zettel rüber). Und wenn du etwas gutes tun willst – die brauchen Publicity, Sponsoren. Rede doch mal mit deinen Species, vielleicht sponsorn die ein Con in Südeuropa auf den Fincas einer deiner reichen Ärsche und greifen den Spielefreaks so ein wenig unter die Arme.
CWW: Und was soll aus mir werden?
AMG: Ich erwarte deine „Platzreife“ im Frühsommer. Dann werden vier Monate vergangen sein. Ungefähr dieselbe Zeit hat der Theo auch benötigt. Und jetzt ist der EU-Beauftragter oder so.
CWW: Oh, das könnte mir auch gefallen.
AMG: Also zuerst die Bewährung! Dann schauen wir, ob wir dich bei der EU als Kommissar für den Schutz vor Diskriminierung bei der Vergabe von Immobiliendarlehen unterbringen oder eine Funktion im Bereichs des Schutz der Freiheit der Presseorgane vor amtlichen Übergriffen finden.
CWW: Danke Mutti.
AMG: Und jetzt sieh zu, dass du deinen Text lernst. Um 12:00 ist der Probedurchlauf für die Pressekonferenz. (weist CWW winkend zur Tür. CWW tritt ab).
CWW (denkt) – was für ein billiges Theater! (Vorhang)
(Fortsetzung folgt)